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Bremerhaven war Anno 1962 eine Stadt, deren Gesicht völlig neu modeliert wurde. Die Bombenangriffe der letzten Kriegsjahre hatten die gesamte Innenstadt in eine Steinwüste verwandelt. Da stand kein Stein mehr auf dem anderen und so manches Gebäude war verschwunden.

Weniger für uns Kinder, weil wir die den Zustand und das Aussehen der Stadt vor dem Krieg ja nicht kannten, wohl aber unsere Eltern.

Wir selbst hatten mit dem Krieg ja nichts zu tun gehabt und ich kann mich auch im Familienkreis nicht daran erinnern, dass der Krieg zu hause ein Thema gewesen ist.

Foto: Siedlung im Bestmannsweg Wir wohnten damals im Bestmannsweg in Süd im Reihenhaus meiner Großeltern mütterlicherseits. Bis 1953, da war ich vier Jahre alt, haben in dem Haus 14 Personen gelebt. Meine Großeltern, die Familie meines Onkels und die meiner Tante.
Danach sind die Geschwister meiner Mutter ausgezogen und wir lebten dann mit meinen Großeltern allein in dem Haus. Die Kriegsjahre waren für uns also kein Thema, obwohl man in den fünfziger Jahren noch jede Menge Hinterlassenschaften zu sehen waren.

So gab es im Gleisdreieck (Wulsdorf) einen Bunker, der von den Amerikanern gesprengt wurde. Das war ein vorzüglicher, wenn auch nicht ungefährlicher Spielplatz für uns Kinder. Wir aus Bremerhaven-Süd hatten sowieso unserer eigenen Vorstellungen, gehörte doch der Bunker zum Gebiet der Brüder Merz. Das waren zur damaligen Zeit recht raue Burschen, deren körperliche Überlegenheit wir anerkennen mussten. Da unser Schulweg aus Süd am Gleisdreieck vorbei führte, stand zu dieser Zeit meistens eine Art Waffenstillstand an. Erst auf dem gemeinsamen Heimweg musste man auf der Hut sein, wollte man keine Prügel beziehen.

Foto: Eltern haften für ihre Kinder In Bremerhaven-Süd selbst stand auch ein Bunker und zwar auf dem Grundstück des Dr. Starke in der Helgoländer Straße. Den habe ich zwar nicht mehr gesehen, denn als meine Erinnerung einsetzte, war nur noch der Sockel des Bunkers vorhanden. Eines Tages wurde die Helgoländer Straße gepflastert und die Arbeiter fanden beim Graben alte Karabiner und Stahlhelme. An diese Kriegshinterlassenschaften sind wir natürlich nicht rangekommen.
Bremerhaven-Süd ist übrigens von den Zerstörungen der Kriegsjahre weitest gehend verschont geblieben. Es fiel nur eine Brandbombe auf das Haus der Familie Netzer in der Helgoländer Straße. All diese Erinnerungen liegen aber weit zurück und haben eigentlich den Zusammenhang verloren. Manchmal weiß man nicht, was nun Wahrheit und was Dichtung ist.

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